Ortspartei Baar

Von Martin Pfister, Kantonsrat und Präsident der CVP Baar


Der neue Landammann Peter Hegglin ist seit der Gründung des modernen Bundesstaats 1848 erst der zweite Landammann aus Menzingen. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass auch der Menzinger Philipp Etter, der allerdings in Zug lebte und arbeitete, 1927/28 bereits einmal Landammann war. Der andere "echte" Menzinger Landammann, Franz Joseph Hegglin (1810-1861), war eine schillernde politische Figur. Er prägte als Anführer der Zuger Konservativen die Zeitenwende um 1848.

Als Franz Joseph Hegglin 1831 als 21-Jähriger die politische Bühne betrat, war Menzingen hinter der Stadt Zug die bevölkerungsmässig zweitgrösste Gemeinde im Kanton mit entsprechendem politischem Gewicht. Bereits 1836 wählte die Landsgemeinde Hegglin erstmals zum Landammann. In den 1850er-Jahren übernahm er, wenn er nicht gerade Landammann war, jeweils das Kantonsratspräsidium. Lange Jahre war er gleichzeitig auch Gemeindepräsident von Menzingen, Richter und Tagsatzungsgesandter. So wenig ausgefeilt war damals die Zuger Gewaltentrennung.

Politische Schwerpunkte waren die Verkehrs- und die Finanzpolitik. Er förderte u.a. den Bau der Eisenbahn im Kanton Zug und gründete eine Bank, die später in der Zuger Kantonalbank aufging. Im Sonderbundskrieg von 1847 gehörte Hegglin zu den eher gemässigten Konservativen der katholischen Seite. Um Kosten und Blutvergiessen zu vermeiden, kapitulierten die Zuger, bevor die eidgenössischen Truppen in Zug zum Angriff ansetzten.

Nach zwei Jahren in der Opposition gelang den Konservativen und damit auch Franz Joseph Hegglin die Rückkehr an die Macht. 1850 wurde er Kantonsratspräsident und 1852/53 zum vierten Mal Landammann. Als Finanzpolitiker versuchte er mit eisernem Sparwillen, die Verwaltungskosten tief zu halten. In den späten 1850er Jahren formierte sich innerhalb der konservativen Partei Widerstand gegen die dominante Stellung Hegglins, "Hegglianismus" genannt. Bis zu seinem frühen Tod 1861 blieb er aber in Amt und Würden.

Dem zweiten Landammann Hegglin, Peter Hegglin, mögen wir keine Kopie der Karriere des ersten Landammanns Hegglin gönnen. Auf die Erfahrung von sechs Tagen Arrest, die der "Löwe vom Berge" nach dem Sonderbundskrieg absitzen musste, dürfte er gerne verzichten. Auch wäre die Aussicht auf sechs Perioden als Landammann wohl eher eine Last als eine Freude. Dennoch können wir auf den neuen "Hegglianismus" gespannt sein, er wird im Kanton Zug und im Unterschied zu damals auch bei den politischen Gegnern noch viel Freude auslösen.

Erschienen im Polit Talk in der Zuger Woche vom 24. Dezember 2008

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